Vom Glück...der Umwege

oder wieso vieles im Rückblick hat sein müssen

Sich unterwegs zu einem wichtigen Termin zu verfahren und unter Zeitdruck zu geraten, gehört zweifelsohne zu den unangenehmen Erfahrungen des Lebens.

 

Dasselbe gilt für verpatzte Prüfungen, die Abdankung deines Lieblings- James Bond's oder die Absage für einen tollen Job bei welchem Du bis in die Endauswahl vorgedrungen bist. Alles hat eigentlich gepasst.

Bauchgefühl, ein offenkundig guter Spirit, symphatische Menschen und eine spannende Stelle mit vielseitigen Aufgabengebieten.

 

Tja, das Leben hält mannigfache kleinere und grössere Enttäuschungen für uns bereit. Dabei gibt es - zumindest theoretisch - eine wirksame Geisteshaltung gegen Enttäuschungen welche einer meiner Mentoren einst  wie folgt auf den Punkt brachte:

 

„Die Basis für jegliche Enttäuschung im Leben...ist eine vorausgegangene (zu hohe) Erwartungshaltung“

 

Ein absolut einleuchtende, kluge Lebenswahrheit wenn auch nicht einfach umzusetzen. Wenn wir nämlich aufhören zu erwarten, dass beispielsweise unsere Mitmenschen sich so verhalten wie wir es gerne hätten, dann würden sich Streitigkeiten in Beziehungen und anderen Lebensbereichen drastisch reduzieren.

 

Nahezu alle Projekte welche unter dem Titel ‚Ich veränder jetzt mal meinen Partner’ laufen scheitern; ja müssen zangsläufig scheitern, denn wir können uns im Endeffekt nur selbst verändern.

Das gilt für Ärger über liegengelassene Socken, unaufgeräumte Kinderzimmer wie auch für vermeintlich gleichgültige oder ohne Unterlass nörgelnde Partner. Im Rückblick gesehen können die eingangs erwähnten Enttäuschungen eine heilsame Erfahrung oder gar eine glückliche Fügung gewesen sein.

Vielleicht hat Dir das Leben mit einer nicht bestandenen Prüfung gespiegelt, dass die Zeit noch nicht reif ist.  Und die Absage für den Super-Job hast Du erhalten, um vielleicht kurze Zeit später von einer anderen Firma ein noch interessanteres Stellenangebot zu erhalten.  

Traumschiff auf Umwegen

Verschiedene Menschen haben mir in den vergangenen Jahren von Ferien auf einem Kreuzfahrtschiff vorgeschwärmt.

 

Ich mochte in meinen Jugendjahren zwar die kitschig-schöne 80-iger Jahre TV-Serie ‚Traumschiff’, dennoch assoziierte ich Kreuzfahrten bis vor kurzem eher mit Seniorentreffen, steifer Etikette, Dekadenz und Langeweile.

 

Als ein guter Freund begeistert von seinem ersten Cruise zurückkam und meinte, dass dies auch toll für Familien sei, dachte ich - warum eigentlich nicht ?!  

Im letzten Sommer sprang mir dann zufällig ein Angebot einer Mittelmeer-Kreuzfahrt ins Auge. Unerwarteter Weise teilte meine Frau anfangs meine Begeisterung nicht und gab nebst allgemeinen Bedenken - das ist doch nix für uns - meine Anfälligkeit für Seekrankheit zu bedenken.  

 

Stimmt. Auf den vielen vergangenen Reisen wo kleinere Strecken mit Fähren, Booten und Dschunken zu überwinden waren, wurde es mir meist übel. Allerdings würde das Schaukeln und Rollen auf einem Schiff dieser Dimension bestimmt moderater ausfallen und zur Not gäbe es sicher etwas aus der Apotheke.

 

Ihre Vorbehalte hinsichtlich Kindertauglichkeit solch einer Kreuzfahrt wurden durch einen Youtube-Clip plus der virtuellen Tour durch den Oceanliner pulverisiert. Der Anblick von Minigolf, Tennis, Spa, den Pools, Buffets und den beworbenen Landausflügen liess bei den Jungs nur noch eine Frage offen, nämlich:

 

        „Wann geht’s los?!“

Auf der Fahrt Richtung Genua fuhr ich kurz zum Tanken raus und weiter gings. Die monotonen Autobahnkilometer verkürzten wir mittels Ratespielen. Du kennst das sicher.

 

Das macht Spass, fordert das Gehirn und wirkt nebenbei präventiv gegen Wrestling-Kämpfe gelangweilter Kids im Fond.  Es gibt in einem Menschenleben wohl nicht manches was nervaufreibender wäre,  als ein Auto zu lenken, während hinter einem ein Ringkampf tobt. Dann doch lieber Rudi Carell oder Günther Jauch mimen.

 

Aber Moment – beim Blick in den Rückspiegel sah ich das meine Tankklappe weit offenstand. Ist mir in fünfundzwanzig Jahren Autofahren noch nie passiert. Zu dumm! So konnte ich nicht bis Italien fahren, also hiess es notgedrungen am nächsten Rastplatz nochmals einen Zwischenhalt einlegen.

Endlich etwas passendes zur ICE-Watch

Aufgrund kräftigen Regens steuerte ich unseren Wagen auf einen gedeckten Bereich der Raststätte zu, als ich meinen Sohn mit entzückter Stimme "Wow, lueg mal drüüüü Lamborghinis" sagen hörte.  

 

Tatsächlich, da standen drei der neuesten Lambos deren Fahrer sich wohl gerade ein Frühstück nebenan gönnten. Das hulkfarbene Exemplar hatte es unserem jüngsten besonders angetan, schliesslich ist grün seine unangefochtene Lieblingsfarbe und der Koloss sein Lieblings-Maskottchen 

aus der Gilde der MARVEL'S Superhelden.

 

Zum Farbcheck hielt er die neongrüne ICE-Watch neben die Bolide, lächelte zufrieden, und teilte uns dann mit entschlossenem Gesichtsausdruck mit, dass er sich bei Erreichung des 18. Lebensjahres (und Notschlachtung seines Dino-Kässelis) genau dieses Modell passend zur Uhr zulegen werde. Es sei ihm ernst damit!

Für einen Moment

lang waren wir baff

ob der wilden Ent- schlossenheit. Dann mussten alle herzhaft lachen. Wir stiegen in unser Fahrzeug und fuhren nonstop durch nach Genova in Bella Italia. Der vergessene Tankdeckel hat uns

damit eine nette kleine Überraschung beschert.


Die Tage auf der POESIA waren schön. Gutgelaunte Menschen, ein tolles allabendliches Artistik & Theaterprogramm und die Möglichkeit verschiedene Städte in kurzer Zeit anzusehen. Man hat quasi sein Hotelzimmer immer mit dabei.  Zum Glück erwischten wir in allen Städten welche wir anliefen traumhaftes Wetter. So liess sich der Einkaufsbummel auf Barcelonas ‚La Rambla’, die Stadtrundfahrt durchs Lissabon, den Spaziergang auf eine Burg in Malaga und der orientalischen Markt in Casablanca geniessen.

Und nochmals Umweg sei dank

Unser grosser Sohn Jeffrey interessiert sich für Geschichte, Kulturen, Natur usw. Später will er vielleicht einmal Archäologe, Paläontologe, Dinosaurierforscher oder etwas in diese Richtung werden.

Natürlich ist er wie ich auch ein Fan der Figur des Dr. Jones aus Indiana Jones. Ich bemühe mich wenn immer es geht die Traumzerstörungskeule namens 'siehs mal realistisch' liegen zu lassen und habe daher noch nie darauf hingewiesen, dass ein üblicher Arbeitstag eines Archäologen vermutlich mit ‚Indie’ soviel gemein hat wie ein Treffen der  Briefmarkenfreunde mit einem freestyle.ch Event.

 

Wenn wir ihm erlauben die Flimmerkiste einzuschalten, schaut er sich gelegentlich mal einen Cartoon an, zum allergrössten Teil aber Dokumentationen auf NatGeo Wild, AnimalPlanet oder HD-History. Da soll mal einer sagen es gäbe nur noch ARTE und 3SAT welche gehaltvolles Fernsehen biete. Seine Lehrerin bemerkte sein Interesse offenbar auch und vertraute ihm die Rückgabe eines Ausgrabungskoffers an die Kantons-archäologie Zürich an. Der Koffer war ziemlich schwer, sodass ich mich anbot Kiste und Junior hinzufahren.

 

Ich hatte eine ungefähr Vorstellung wo die Adresse war und fuhr los, fand dann aber das Gebäude nicht und musste mehrmals kreuz und quer durchs Industriequartier kurven. 


 

Plötzlich standen wir vor einer ungewöhnlich bunten, flippig wirkenden Schaufensterfront KARE der absolute Wohnsinn.

 

Hatte noch nie von diesem Laden gehört aber die Neugier war geweckt. Nach Ablieferung des Koffers kehrten wir zum Geschäft zurück. Drinnen wurde das Versprechen der Schaufensterfront eingelöst - extravagante Möbel und Accessoires. Ich erstand einen todschicken Bilderrahmen welcher es mühelos in eine Sotheby's-Auktion schaffen würde.

 

 

Sicher ist es Dir auch schon so ergangen, dass Du Dich in einer negativ scheinenden Situation befandest, aus welcher sich nachher etwas überaus Positives ergab - oder ?!?

 

Zum Schluss noch eine Geschichte dazu aus dem alten China:

Ein chinesischer Bauer hatte ein schönes Pferd. Und weil sonst niemand im Dorf ein Pferd besass, sagten die Leute: „Oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“. Der Bauer antwortete: „Wer weiss?!“

Eines Tages sprang das Pferd aber über den Zaun und war weg. Die Leute kamen und sagten: „Was für ein Pech, das schöne Pferd ist verloren!“ Der Bauer meinte aber darauf wieder nur : „Wer weiss?!“


Nach ein paar Tagen kam das Pferd zurück zum Bauern und hatte drei Pferde bei sich welche ihm folgten. Die Leute im Dorf konnten vor Neid und Missgunst kaum sprechen: „So ein Glückspilz, das sollte mir mal passieren!“. Wiederum murmelte der Bauer nur: „Wer weiss?!“.


Als sein einziger Sohn dann einmal auf dem Pferd ausreiten wollte, stürzte er vom Pferd und brach beide Beine. Die Nachbarn kommentierten: „Der arme Bauer – wird sein Sohn wieder jemals richtig gehen können? Was für ein Pech! Und wieder murmelte der Bauer: „Wer weiss?!“

 

Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und nahmen alle gesunden jungen Männer mit für den Kriegseinsatz gegen die Feinde aus dem Norden. Am Sohn des Bauern waren Sie aber wegen seiner Verletzung nicht interessiert. Es herrschte viel Trauer und Schmerz im Dorf über die verlorenen Söhne. Und die Leute klagten, seht doch welch Glück er hat, sein Sohn wurde verschont.

 

Der Bauer flüsterte noch einmal  „wer weiss“...

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Kommentare: 1
  • #1

    Ricardo (Mittwoch, 31 Dezember 2014 14:43)

    das mit der Erwartungshaltung ist ein guter Tipp. So habe ich das noch nie gesehen. Interess.Artikel.
    Werde versuchen nicht mehr so schnell entäuscht zu sein!!!
    hab mich jetzt für deinen Newslettermit Inspirationen eingetragen! Ricardo